Genießer wissen – Bordeaux-Weine sind Spitze, aber leider auch beim Preis. Allein der Gedanke an die edlen Tropfen löst beim Liebhaber allerhöchste Glücksgefühle aus, die allerdings beim Blick in den Geldbeutel rasch wieder getrübt werden. Doch es gibt eine Alternative: den sogenannten Zweitwein. Er kostet im Schnitt weniger als die Hälfte, in der Regel nur ein Drittel bis Viertel seines großen Bruders. Aber wie sieht es aus mit der Qualität, ist dieser Wein auch wirklich gut?
„Le second vin“ ist weitgehend ein Ergebnis der immer stärkeren Auslese bei den Spitzenweinen. Häufig stammt er von Trauben aus jungen Reben, die die strengen Qualitätskriterien für den Grand Vin nicht erfüllen. Das heißt sie sind gut, aber eben nicht gut genug für einen Grand Cru Classé. Doch es wäre falsch zu glauben, der Zweitwein sei ein Auffangbecken für missratene Weine. Er ist nicht ganz so komplex, tiefgängig und lagerfähig wie sein großer Bruder, aber stammt aus dem gleichen Terroir, profitiert von der gleichen Technik und ist eine prima Genuss-Alternative. Rund 150 Zweitweine gibt es, auch wenn sie hierzulande nur vereinzelt zu finden sind.
Die weinwelt-Redaktion hat die wichtigsten „Second Vins“ In einer großen Blindverkostung kritisch unter die Lupe genommen. Die Bewertung der 70 Besten mit ausführlichen Verkostungsnotizen hat sie in der aktuellen Ausgabe zusammengestellt.
Den Spitzenplatz unter den Zweitweinen belegte mit 91 Punkten der 2006 Les Tourelles de Longueville Pauillac AOC vom Château Pichon Longueville. Dahinter rangieren mit 90 Punkten punktgleich der 2006 Les Carruades de Lafite Pauillac AOC vom Château Lafite-Rothschild und der 2006 Les Fiefs de Lagrange Saint-Julien vom Château Lagrange.
Daneben erwarten Weinliebhaber im neuen Heft erste Impressionen und Einschätzungen für den Bordeaux des Jahrgangs 2008. Wie jedes Frühjahr, noch ein Jahr vor der Abfüllung, bevölkerten zahlreiche Journalisten, Händler, Kritiker, Im- und Exporteure das Bordelais, um den anstehenden Jahrgang aus dem Fass “En Primeur” zu verkosten und zu bewerten. Und natürlich war auch die weinwelt-Redaktion mit von der Partie. Alle fieberten dem ersten großen Auftritt des anstehenden Jahrgangs entgegen. Wie präsentiert sich der 2008er? Die Wetterkapriolen hatten den Reben und Trauben ja nicht gerade die passenden Voraussetzungen für einen großen Jahrgang beschert. Doch der schöne, lange Altweibersommer beförderte ihn sogar noch in den Rang eines guten bis sehr guten Jahrgangs. Vor allem die Terroirs von Pauillac, Saint-Julien, Saint-Estèphe und Pessac-Léognan brachten nicht nur gute, sondern auch sehr gute bis hervorragenden Rotweine hervor. Doch die Nachfrage stagniert. Die weltweite Banken- und Wirtschaftskrise hat auch vor dem Bordeaux nicht Halt gemacht. Was das für die Preise bedeutet, bleibt abzuwarten. Ein ausführlicher Hintergrundbericht zu diesem spannenden Thema steht in der aktuellen Ausgabe von weinwelt, die jetzt im Zeitschriftenhandel erhältlich ist.
mer / Meininger Verlag GmbH
