Am Ende war der Jubel an der Mosel groß: Zum elften Mal stellt das Anbaugebiet im Norden von Rheinland-Pfalz die Deutsche Weinkönigin. Um 22.20 Uhr verkündete die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule, die mit Spannung erwartete Entscheidung: Die 61. Deutsche Weinkönigin heißt Sonja Christ und kommt von der Mosel! Unterstützt wird sie von den beiden Weinprinzessinnen Christl Schäfer aus Württemberg und Isabell Kindle aus Baden.
Sonja Christ, die 25 Jahre alte Betriebswirtin aus Oberfell an der Mosel hatte sich in einem spannenden Finale gegen ihre fünf Konkurrentinnen durchgesetzt. Am Ende überzeugte die blonde Weinfachfrau mit exzellentem Wissen, hervorragender Rhetorik und charmantem Auftreten. Ein Jahr lang repräsentiert sie nun auf rund 250 Terminen im In- und Ausland die deutschen Winzer und ihre Produkte.

Zwölf Gebietsweinköniginnen hatten sich für das höchste Amt des deutschen Weins beworben, sechs qualifizierten sich vergangenen Samstag bei der Fachbefragung für das Finale. Schon in der Vorausscheidung hatten die jungen Frauen mit fundiertem Wissen über Rebschnitt, Flaschenverschlüsse, Weinetiketten und Weinmarketing beweisen müssen, dass sie sich in der Welt des Weins hervorragend auskennen. Am Freitagabend nun mussten sie zusätzlich in der großen Live-Gala zeigen, dass sie auch das Auftreten vor großem Publikum souverän beherrschen. Vor 1300 Zuschauern in der Kongresshalle und einem Millionenpublikum an den Fernsehbildschirmen war das eine echte Herausforderung.
Am besten meisterte die eindeutig Sonja Christ. Die Winzerstochter erklärte präzise, was einen Dornfelder ausmacht, was ein Gärröhrchen ist, und warum die Reblaus einst solche Schäden anrichtete. Weil sie dabei das Wort “Amerika” nicht benutzen durfte, prägte Sonja Christ kurzerhand den Begriff “CanUSA” – sehr zur Begeisterung der Zuschauer im Saal. Schon in der Vorauswahl hatte die Betriebswirtin, die bei einer Weinzeitschrift für die Verkostungen zuständig ist, mit ihrer Weltläufigkeit und ihren Fremdsprachenkenntnissen die 80-köpfige Jury beeindruckt. Nun stellte die 25-Jährige erneut ihre Schlagfertigkeit und ihr Können unter Beweis.
In der Wahl-Gala, souverän von SWR-Moderator Holger Wienpahl moderiert, mussten die Kandidatinnen ansonsten noch bei einer Blindverkostung ihr Wissen über Rotweine demonstrieren, ein Weinanbaugebiet in 45 Sekunden beschreiben und sechs Fehler in einem Film über das Anbaugebiet Mittelrhein finden. Die Mittelrheinkandidatin hatte ihre Amtszeit noch einmal um ein Jahr verlängert und trat in diesem Jahr nicht zur Wahl an. So war aber auch dieses Weinanbaugebiet in der Gala vertreten.
Die Wahl fand in diesem Jahr erstmals seit 55 Jahren wieder in Heilbronn statt. Der Oberbürgermeister der Stadt, Helmut Himmelsbach, verwies denn auch darauf, dass Heilbronn immerhin 530 Hektar Rebfläche habe, einen Weinwanderweg, einen Studiengang für Weinbetriebswirtschaft und einen jährlichen Trollinger-Marathon mit rund 6000 Teilnehmern. Der Event habe der Stadt ein bislang unerreichtes überregionales Medieninteresse beschert.
Das Heimspiel nutzte die 25 Jahre alte Christl Schäfer für sich: Mit großer Eleganz und exzellentem Wissen präsentierte sich die Vertreterin des Anbaugebiets Württemberg auf der heimischen Bühne, und eroberte so die Krone als Weinprinzessin. Ebenfalls zur Weinprinzessin kürte die Jury die 23 Jahre alte Badenerin Isabell Kindle, die mit strahlendem Lächeln und natürlichem Auftreten die Herzen für sich gewann.
Die frisch gekürte Weinkönigin aber konnte ihr Glück am Ende kaum fassen. “Ich bin sehr glücklich”, sagte Sonja Christ. Ihren Job bei dem Weinmagazin werde sie wohl für das kommende Jahr erst einmal ruhen lassen. Worauf sie sich jetzt am meisten freut? “Gute Weine kennen lernen und Menschen, die diese zu schätzen wissen!”
